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Harry`s nächster Bericht

 

21. Bericht

15.04.2014 - 18.06.2104

Australien - Indonesien

1,852

Vor ein paar hundert Jahren fing man an zu behaupten, dass die Erde keine Scheibe ist!

Ich persönlich werde dies erst für bare Münze halten, wenn ich weiter Richtung Westen segle und dann tatsächlich wieder an meinem Startpunkt vor 8 Jahren in Südafrika ankomme. Bis dahin bleibt es theoretisch, was damals die Engländer eingeführt haben, um sich ein genaueres Bild von unserem Planeten zu machen.

Damit vor allem für die Seefahrt Entfernungen, Landmassen und Untiefen besser eingeschätzt werden konnten, wurde unser Globus so kategorisiert, dass man anhand nur 2 Informationen den genauen Standpunkt erkennt. Da durch die Astronavigation (Richtungsberechnung durch Beobachten von Himmelskörpern) schon genau bestimmt wurde wo sich Norden, Süden, Osten und Westen befand, teilte man die Erde kurzerhand in Längen- und

Breitengrade ein. So entstand das Globale Positionssystem, welches auch heute nicht mehr weg zu denken ist.

Als Breitengrad Null wurde der imaginäre Äquator mittig zwischen den Polen festgelegt. Dieser ist übrigens weder vom Flugzeug, noch vom Boot aus zu erkennen.

Also, wenn der Captain von der Äquator-Überquerung berichtet, ist bei dem gespannten Blick aus dem Fenster nicht viel zu erwarten!

Der Längengrad Null wiederum verläuft zwischen den beiden Polen und durchquert den Ort Greenwich in England. Nun musste man noch eine neue Längeneinheit erfinden, welches mit der Nautischen Seemeile (NM) gemacht wurde. Natürlich nicht in unserem beliebten metrischen System, hat man den Globus in 360° eingeteilt und ein Grad sollte von nun an 60 NM sein.

So konnten die erfinderischen Engländer mit Fug und Recht behaupten, dass der Umfang unserer Erde 360 x 60 ist. Also 21.600 NM.

Wenn du mir jetzt also schreiben würdest, dass du dich mit mir auf 51° 20` Nord und 6° 25` Ost treffen möchtest, dann wüsste ich, dass du 375 NM östlich von Greenwich-Meridian und 3.072 NM nördlich vom Äquator bist. Meine Antwort würde wohl lauten: “Hey, du Tuppes! In Glabbach bin isch ierscht am 18.06.2014, awer warum küz du nit noch 8° 24` Süd und 115° 09` Ost? Da könnten wa it schöne Wedder jeniesse und am Strond von Bali Jetränke mit Schirmsche drinke!”

Erst viele Jahre später wurde durch neumodische Methoden herausgefunden, dass der metrische Umfang unseres Blauen Planeten 40.003 Km ist. Eine NM ist dem entsprechend 40.003 Km:(360 x 60 NM) = 1,852 Km.

Wie auf fast allen Schiffen (ein paar Franzosen wehren sich beharrlich) wird auch bei mir die Entfernung in NM und die Geschwindigkeit in Knoten (1 KN = 1 NM pro Stunde = 1,852 Km pro Stunde) angegeben. Wenn meine Moyo etwas Wind bekommt und dieser nicht unglücklich auf der Nase ist, dann rechne ich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,5 KN (ca. 10 Km/h) . Seit meinem letzten Bericht habe ich weitere 3.500 NM auf meinem Salzwasser-Buckel abgerissen. Davon war allein das Great Barrier Reef 1.000 NM lang. Da es mit so vielen gefährlichen Untiefen durchzogen ist, konnten wir wegen der Sicht nur dann segeln, wenn die Sonne im Zenit (zwischen 10 und 15 Uhr) stand. Es blieben also höchstens 5 Stunden übrig, welches das Etmal (zurückgelegte Meilen eines Tages) drastisch verkürzte. Obwohl wir eine sehr lange Strecke bis Indonesien zurück legen mussten, spielte uns dieser Umstand aber nur in die Karten, denn so hatten wir beste Möglichkeiten das größte Riff der Welt während unserer segelfreien Zeit zu erforschen.

Bei täglichen Schnorchelexkursionen erging es mir wie im siebten Himmel. Schon bald war ich wieder so gut trainiert, dass ich sehr lange die Luft anhalten konnte und zusehends eins mit der Unterwasserwelt wurde. Manchmal verharrte ich so lange an einem besonders schönen Platz, dass mich die Meeresbewohner in ihrer Mitte akzeptierten.

Zuerst fallen einem natürlich die größeren Fische auf, wie die berüchtigten Haie, oder die kapitalen Zackenbarsche und Napoleonfische. Mit der Zeit fängt man dann aber an die faszinierende Umgebung genauer unter die Lupe zu nehmen und dabei ist es im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend welche wunderschönen und skurrilen Geschöpfe die Evolution erschaffen hat. Jedes Tier ist ein Spezialist auf seinem Gebiet. Dies ist eine Herausforderung an die Körperbeschaffenheit und es entstehen bizarre

Lebewesen, die alle ihre Nische im System gefunden haben. Z.B. tragen Clownfisch, Steinfisch, Trompetenfisch Kugelfisch und Seepferdchen zurecht ihren Namen.

Um sich dann aber weitere Vorteile im Überlebenskampf zu erschaffen, gehen sie Symbiosen mit Artfremden ein. So teilen sich Grundel und Krebs eine Höhle, weil der Eine ein besserer Beschützer und der Andere ein Grubenbaugenie ist. An der “Fisch-Wasch-Station” herrscht ein Friedensabkommen, wenn selbst die gefräßigsten Räuber den Putzerfisch unversehrt in ihrem Maul Einlass gewähren, um sich von lästigen Parasiten befreien zu lassen.

Ich habe gigantische Mördermuscheln gesehen, die größere Fische in ihren Körper wohnen ließen. Wer an ihren Gast wollte, der war es selber Schuld. Was passiert, wenn sich eine 200 kg schwere Mördermuschel schnell zusammen zieht, kann man sich ja denken.

Jo, 200 Kg !! So Dinger habe ich gesehen und konnte es selber nicht für möglich halten, zudem sehen sie wunderschön aus und variieren in den herrlichsten Farben.

Der Tölpel wiederum trägt seinen Namen nicht umsonst.

Zuerst erschraken wir, als er uns beim schnorcheln genau vors Visier platschte. Dann aber merkten wir, dass er uns als Jagdgesellschaft ansah. Dieses lustige Schauspiel hättet ihr euch angucken sollen. Abwechselnd glotzten wir uns aus nächster Nähe an und dann wieder ins Wasser. Unser aller Gedanke war wohl Gleich; “Wo sind denn nun die Fische wo nach der Andere sucht und was ist das überhaupt für ein ulkiges Geschöpf?”

So könnte ich jetzt weiter erzählen; von den Schildkröten, den Salto springenden Delfinen, den Walen, den 4 Haien am Außenriff und dem Fight an der Angel mit dem Marlin. Am Ende wird es mir nur Teilweise gelingen euch meine Glücksgefühle zu vermitteln, wenn ich manchmal innehalte und besonders schöne Momente genieße.

Richtige “Happy Flashs ” die sooo häufig vorgekommen sind. SEUFZ !!

Klar, es ist nicht alles Gold, was wie Gold glänzt. Beispielsweise sind Gebiete Australiens zu bestimmten Jahreszeiten menschenfeindlich. Aus Mangel an Ozon ist die Sonne eine ernsthafte Gefahr geworden. Im Süden regiert der Weiße Hai das Wasser, im Norden tummeln sich hochgiftige Quallen und das mit Recht gefürchtete Salzwasserkrokodil. Auf dem Lande gibt es extrem toxisch wirkende Tiere, wie Schlangen, Spinnen und Skorpione. Selbst ein eierlegendes Säugetier hat Giftstacheln, um sich in dieser barschen Gegend durchzusetzen. Dieses äußerst skurrile “Fabelwesen “ nennt sich Schnabeltier und sieht aus wie das Experiment einer Tierzucht aus Bieber, Maulwurf und Ente.

Die Zyklone, die den Norden heimsuchen, sollten eigentlich nicht zuletzt genannt werden. Wir waren nur noch einen Tagestörn von Cairns entfernt, als dort einer dieser starken Stürme aufs Land traf. Mit etwas Glück und Können hatten wir noch einen wellengeschützten Ankerplatz gefunden. Anderen erging es schlechter. Nach solchen Stürmen sehen sich Segler oft mit gesengten Kopf beim Segelmacher wieder. Dort traf ich auch einen Bekannten, mit dem wir eigentlich mal vor hatten zusammen nach Indonesien zu segeln. Er war uns diesen einen Tag voraus und erzählte mir, dass er dachte sein Boot aufgeben zu müssen.

Zu den bis über 7 m langen Salzwasserkrokodilen fällt mir auch noch ‘ne Story ein. Man warnte uns zwar, dass diese Echsen bis weit ins Meer hinaus schwimmen und man deshalb praktisch im ganzen Norden von Australien nicht mehr ins Wasser sollte, aber es hieß auch dass die Kroks nicht überall wären? Hm, wo die Grenze ziehen? Wir zogen

sie offensichtlich zu optimistisch, obwohl die Insel des Geschehens rund 80 Km vom Festland entfernt war.

Nach dem wir fast 2 Wochen kein Land mehr sahen, war die Versuchung der Erkundung einfach zu groß. Es war aber auch mal ein paradiesischer Flecken Erde, so dass wir uns erst in der Abenddämmerung entschließen konnten zum Boot zurück zu schwimmen. Mich traf der Schlag, als ich die frischen handgroßen Krokodilabdrücke genau dort sah, wo wir ins Wasser mussten. An Hilfe war in dieser menschenverlassenen Gegend nicht zu denken. So war die Devise klar, dass wir ganz dicht zusammen bleiben mussten um die 200 m zur rettenden Moyo zu schwimmen. “ Schni-Schna-Schnappi “ hat diesmal nicht zugeschlagen und so hatten wir nur noch ein kleines Stück zu segeln, bis wir am nördlichsten Punkt von Australien ankamen.

Alex, der mir als kompetenter und angenehmer Mitsegler in Erinnerung bleiben wird, hatte hier seinen 3 wöchigen Urlaub auf der Moyo beendet. Auch galt es sich von Australien und den Pazifik zu verabschieden.

“Down Under“ wird mir in guter Erinnerung bleiben. Mit vielen Sehenswürdigkeiten und gut bewachten Naturschutzgebieten.

Mit den zurückgezogenen Aborigines konnte ich leider keinen guten Kontakt aufbauen, aber die anderen Australier waren meist sehr freundlich und bewundernswert sportlich.

Das Fazit zum ganzem Pazifik fällt durchweg sehr positiv aus. Besonders werden mir die extrem freundlichen Einwohner in Erinnerung bleiben. Zudem die fantastischen Weiten und Abgeschiedenheiten die diesen schönen Ozean mit seinen vielen Inseln aus macht. Ich kann nur Empfehlen sich viel Zeit für einen Besuch zu nehmen, um etwas tiefer in die Kulturen einzutauchen.

DANKE PAZIFIK! Ich werde dich vermissen!

Indonesien

Bis zum nächstem Landgang waren es stolze 1.123 NM (2.080 KM, aber das wisst ihr ja jetzt selber, gell ??!!??). Das Wetter war zwar optimal, aber weil wir direkt am Anfang des Törns zu viel riskierten, fehlte uns der passende Spinnacker. Autsch ! ... und wieder mit gesenktem Kopf zum Segelmacher...

Nicht so schlimm, ich hatte ja Dagmar an Bord und so haben wir die langen 9 Tage locker und fidel abgerissen. Unvergesslich, dass wir solange gekniffelt haben, bis sich die Würfel rund gespielt haben. Ja, es tut richtig gut so eine tolle Crew zu haben. Mittlerweile ist sie schon 9 Monate auf der Moyo und es harmoniert einfach super. Da mein Abflug nun kurz bevor steht, wird auch diese Zeit ein Ende haben, aber ich hoffe, dass sich unsere Wege immer wieder mal kreuzen werden.

Auf Timor Island angekommen fiel sofort auf, dass die Indonesier sehr klein sind. Überall stößt man sich die Rübe und die Bustaxis sind so winzig, dass man denkt sich eine Karussellfahrt im Feuerwehrauto gegönnt zu haben.

Wie man schon oft über Länder wie Thailand gehört hat, sind auch die Indonesier extrem freundlich und interessiert. Kinder sprechen dich an und wollen deine lange und ungewöhnlich schmale Nase berühren. Von den Frauen wiederum bekommt man(n) verlockende Blicke zugeworfen und auch das Essen schmeckt mir gut. ;o)

Auf dem Weg zu den sagenhaften Komodowaranen war über Nacht plötzlich Weltuntergansstimmung !

Schon einen Tag bevor wir ankamen regnete es Asche. Einer der vielen aktiven Vulkan Indonesiens ist ausgebrochen und hat meine geliebte Moyo in ein Geisterschiff verwandelt. Die Insel sah nicht besser aus und die Sonne verschwand schon am Tage fast gänzlich. Als wir in der erbarmungslosen Hitze dann noch die ersten Drachen sahen, fühlte ich mich in einer Zeit versetzt, als noch Dinosaurier die Erde beherrschten.

Wir mussten einen Ranger mit nehmen, da die Warane unberechenbar sind und selbst vor den hiesigen Büffeln nicht zurück schrecken. Wie Kampfmaschinen, sind sie mit gefährlichen Waffen bestückt und können trotzdem in undurchdringlichem Gelände eine Geschwindigkeit von 18 km/h (9,7192224622 KN ;o) ) erreichen.

Ihr Biss wirkt so toxisch, dass es selbst ausgewachsene Büffel nicht mehr lange auf den Beinen hält, bevor sie an Blutvergiftung krepieren. Das ist dann der Moment, wenn man von der “Draggon-Party” spricht, denn bis dahin haben sich etliche Urechsen versammelt um das Mal beginnen zu lassen. Zum Schluss verschwindet sogar der komplette Büffelkopf, indem der gewaltigen Schädel mit Hilfe eines Baumstammes in den Schlund gehämmert wird !!!

Gruselig, aber gewiss ein weiteres Highlight auf meiner Reise.

Nach ein paar weiteren herrlichen Tagen auf See erreichten wir die Insel Lombok bei Bali.

Hier soll mein Boot den deutschen Sommer verweilen, denn von Juni bis September will ich ja in Europa sein. Wie immer sind die letzten Tage auf einem Schiff mit sehr viel Arbeit verbunden. So gaben wir richtig Gas, um noch ein paar Tage für eine Mords Bergbesteigung zu haben.

Mit 3.750 Metern war dieser Berg natürlich der Höchste und wir benötigten einen Guide und einige Träger, die unseren Proviant, unsere Schlafsäcke und unsere Zelte trugen. Nach 3 Tagen erreichten wir total erschöpft das zweite Base Kamp. Es blieb nicht viel Zeit zum Ruhen, denn um zwei Uhr morgens krakselten wir in Eiseskälte die letzten Kilometer über das verfluchte Vulkangeröll zum Gipfel. Wie im Delirium stapften wir weiter, obwohl uns das Geröll immer wieder zurück warf. Auch oben angekommen, hatte ich kein Empfinden mehr für die Schönheit der Gegend, denn ich war wirklich am Ende und zudem musste der Rückweg noch zeitig angetreten werden. Was für eine Anstrengung, die man wohl nur bewältigen kann, wenn man einen starken Willen besitzt.

Mittlerweile bin ich froh, dass ich nicht aufgegeben habe. Mit bald 43 Jahren werde ich physisch wohl nicht mehr in der Lage sein solch ein Erlebnis in Zukunft zu wiederholen. Umso wichtiger ist es mir jetzt noch alles mitzunehmen was mir das Leben bieten kann.

Und es bietet noch so viel ...

Bis bald

Euer

Harald

 
Harrys nächster Bericht

 

21. Bericht

15.04.2014 - 18.06.2104

Australien - Indonesien

1,852

Vor ein paar hundert Jahren fing man an zu behaupten, dass die Erde keine Scheibe ist!

Ich persönlich werde dies erst für bare Münze halten, wenn ich weiter Richtung Westen segle und dann tatsächlich wieder an meinem Startpunkt vor 8 Jahren in Südafrika ankomme. Bis dahin bleibt es theoretisch, was damals die Engländer eingeführt haben, um sich ein genaueres Bild von unserem Planeten zu machen.

Damit vor allem für die Seefahrt Entfernungen, Landmassen und Untiefen besser eingeschätzt werden konnten, wurde unser Globus so kategorisiert, dass man anhand nur 2 Informationen den genauen Standpunkt erkennt. Da durch die Astronavigation (Richtungsberechnung durch Beobachten von Himmelskörpern) schon genau bestimmt wurde wo sich Norden, Süden, Osten und Westen befand, teilte man die Erde kurzerhand in Längen- und

Breitengrade ein. So entstand das Globale Positionssystem, welches auch heute nicht mehr weg zu denken ist.

Als Breitengrad Null wurde der imaginäre Äquator mittig zwischen den Polen festgelegt. Dieser ist übrigens weder vom Flugzeug, noch vom Boot aus zu erkennen.

Also, wenn der Captain von der Äquator-Überquerung berichtet, ist bei dem gespannten Blick aus dem Fenster nicht viel zu erwarten!

Der Längengrad Null wiederum verläuft zwischen den beiden Polen und durchquert den Ort Greenwich in England. Nun musste man noch eine neue Längeneinheit erfinden, welches mit der Nautischen Seemeile (NM) gemacht wurde. Natürlich nicht in unserem beliebten metrischen System, hat man den Globus in 360° eingeteilt und ein Grad sollte von nun an 60 NM sein.

So konnten die erfinderischen Engländer mit Fug und Recht behaupten, dass der Umfang unserer Erde 360 x 60 ist. Also 21.600 NM.

Wenn du mir jetzt also schreiben würdest, dass du dich mit mir auf 51° 20` Nord und 6° 25` Ost treffen möchtest, dann wüsste ich, dass du 375 NM östlich von Greenwich-Meridian und 3.072 NM nördlich vom Äquator bist. Meine Antwort würde wohl lauten: “Hey, du Tuppes! In Glabbach bin isch ierscht am 18.06.2014, awer warum küz du nit noch 8° 24` Süd und 115° 09` Ost? Da könnten wa it schöne Wedder jeniesse und am Strond von Bali Jetränke mit Schirmsche drinke!”

Erst viele Jahre später wurde durch neumodische Methoden herausgefunden, dass der metrische Umfang unseres Blauen Planeten 40.003 Km ist. Eine NM ist dem entsprechend 40.003 Km:(360 x 60 NM) = 1,852 Km.

Wie auf fast allen Schiffen (ein paar Franzosen wehren sich beharrlich) wird auch bei mir die Entfernung in NM und die Geschwindigkeit in Knoten (1 KN = 1 NM pro Stunde = 1,852 Km pro Stunde) angegeben. Wenn meine Moyo etwas Wind bekommt und dieser nicht unglücklich auf der Nase ist, dann rechne ich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,5 KN (ca. 10 Km/h) . Seit meinem letzten Bericht habe ich weitere 3.500 NM auf meinem Salzwasser-Buckel abgerissen. Davon war allein das Great Barrier Reef 1.000 NM lang. Da es mit so vielen gefährlichen Untiefen durchzogen ist, konnten wir wegen der Sicht nur dann segeln, wenn die Sonne im Zenit (zwischen 10 und 15 Uhr) stand. Es blieben also höchstens 5 Stunden übrig, welches das Etmal (zurückgelegte Meilen eines Tages) drastisch verkürzte. Obwohl wir eine sehr lange Strecke bis Indonesien zurück legen mussten, spielte uns dieser Umstand aber nur in die Karten, denn so hatten wir beste Möglichkeiten das größte Riff der Welt während unserer segelfreien Zeit zu erforschen.

Bei täglichen Schnorchelexkursionen erging es mir wie im siebten Himmel. Schon bald war ich wieder so gut trainiert, dass ich sehr lange die Luft anhalten konnte und zusehends eins mit der Unterwasserwelt wurde. Manchmal verharrte ich so lange an einem besonders schönen Platz, dass mich die Meeresbewohner in ihrer Mitte akzeptierten.

Zuerst fallen einem natürlich die größeren Fische auf, wie die berüchtigten Haie, oder die kapitalen Zackenbarsche und Napoleonfische. Mit der Zeit fängt man dann aber an die faszinierende Umgebung genauer unter die Lupe zu nehmen und dabei ist es im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend welche wunderschönen und skurrilen Geschöpfe die Evolution erschaffen hat. Jedes Tier ist ein Spezialist auf seinem Gebiet. Dies ist eine Herausforderung an die Körperbeschaffenheit und es entstehen bizarre

Lebewesen, die alle ihre Nische im System gefunden haben. Z.B. tragen Clownfisch, Steinfisch, Trompetenfisch Kugelfisch und Seepferdchen zurecht ihren Namen.

Um sich dann aber weitere Vorteile im Überlebenskampf zu erschaffen, gehen sie Symbiosen mit Artfremden ein. So teilen sich Grundel und Krebs eine Höhle, weil der Eine ein besserer Beschützer und der Andere ein Grubenbaugenie ist. An der “Fisch-Wasch-Station” herrscht ein Friedensabkommen, wenn selbst die gefräßigsten Räuber den Putzerfisch unversehrt in ihrem Maul Einlass gewähren, um sich von lästigen Parasiten befreien zu lassen.

Ich habe gigantische Mördermuscheln gesehen, die größere Fische in ihren Körper wohnen ließen. Wer an ihren Gast wollte, der war es selber Schuld. Was passiert, wenn sich eine 200 kg schwere Mördermuschel schnell zusammen zieht, kann man sich ja denken.

Jo, 200 Kg !! So Dinger habe ich gesehen und konnte es selber nicht für möglich halten, zudem sehen sie wunderschön aus und variieren in den herrlichsten Farben.

Der Tölpel wiederum trägt seinen Namen nicht umsonst.

Zuerst erschraken wir, als er uns beim schnorcheln genau vors Visier platschte. Dann aber merkten wir, dass er uns als Jagdgesellschaft ansah. Dieses lustige Schauspiel hättet ihr euch angucken sollen. Abwechselnd glotzten wir uns aus nächster Nähe an und dann wieder ins Wasser. Unser aller Gedanke war wohl Gleich; “Wo sind denn nun die Fische wo nach der Andere sucht und was ist das überhaupt für ein ulkiges Geschöpf?”

So könnte ich jetzt weiter erzählen; von den Schildkröten, den Salto springenden Delfinen, den Walen, den 4 Haien am Außenriff und dem Fight an der Angel mit dem Marlin. Am Ende wird es mir nur Teilweise gelingen euch meine Glücksgefühle zu vermitteln, wenn ich manchmal innehalte und besonders schöne Momente genieße.

Richtige “Happy Flashs ” die sooo häufig vorgekommen sind. SEUFZ !!

Klar, es ist nicht alles Gold, was wie Gold glänzt. Beispielsweise sind Gebiete Australiens zu bestimmten Jahreszeiten menschenfeindlich. Aus Mangel an Ozon ist die Sonne eine ernsthafte Gefahr geworden. Im Süden regiert der Weiße Hai das Wasser, im Norden tummeln sich hochgiftige Quallen und das mit Recht gefürchtete Salzwasserkrokodil. Auf dem Lande gibt es extrem toxisch wirkende Tiere, wie Schlangen, Spinnen und Skorpione. Selbst ein eierlegendes Säugetier hat Giftstacheln, um sich in dieser barschen Gegend durchzusetzen. Dieses äußerst skurrile “Fabelwesen “ nennt sich Schnabeltier und sieht aus wie das Experiment einer Tierzucht aus Bieber, Maulwurf und Ente.

Die Zyklone, die den Norden heimsuchen, sollten eigentlich nicht zuletzt genannt werden. Wir waren nur noch einen Tagestörn von Cairns entfernt, als dort einer dieser starken Stürme aufs Land traf. Mit etwas Glück und Können hatten wir noch einen wellengeschützten Ankerplatz gefunden. Anderen erging es schlechter. Nach solchen Stürmen sehen sich Segler oft mit gesengten Kopf beim Segelmacher wieder. Dort traf ich auch einen Bekannten, mit dem wir eigentlich mal vor hatten zusammen nach Indonesien zu segeln. Er war uns diesen einen Tag voraus und erzählte mir, dass er dachte sein Boot aufgeben zu müssen.

Zu den bis über 7 m langen Salzwasserkrokodilen fällt mir auch noch ‘ne Story ein. Man warnte uns zwar, dass diese Echsen bis weit ins Meer hinaus schwimmen und man deshalb praktisch im ganzen Norden von Australien nicht mehr ins Wasser sollte, aber es hieß auch dass die Kroks nicht überall wären? Hm, wo die Grenze ziehen? Wir zogen

sie offensichtlich zu optimistisch, obwohl die Insel des Geschehens rund 80 Km vom Festland entfernt war.

Nach dem wir fast 2 Wochen kein Land mehr sahen, war die Versuchung der Erkundung einfach zu groß. Es war aber auch mal ein paradiesischer Flecken Erde, so dass wir uns erst in der Abenddämmerung entschließen konnten zum Boot zurück zu schwimmen. Mich traf der Schlag, als ich die frischen handgroßen Krokodilabdrücke genau dort sah, wo wir ins Wasser mussten. An Hilfe war in dieser menschenverlassenen Gegend nicht zu denken. So war die Devise klar, dass wir ganz dicht zusammen bleiben mussten um die 200 m zur rettenden Moyo zu schwimmen. “ Schni-Schna-Schnappi “ hat diesmal nicht zugeschlagen und so hatten wir nur noch ein kleines Stück zu segeln, bis wir am nördlichsten Punkt von Australien ankamen.

Alex, der mir als kompetenter und angenehmer Mitsegler in Erinnerung bleiben wird, hatte hier seinen 3 wöchigen Urlaub auf der Moyo beendet. Auch galt es sich von Australien und den Pazifik zu verabschieden.

“Down Under“ wird mir in guter Erinnerung bleiben. Mit vielen Sehenswürdigkeiten und gut bewachten Naturschutzgebieten.

Mit den zurückgezogenen Aborigines konnte ich leider keinen guten Kontakt aufbauen, aber die anderen Australier waren meist sehr freundlich und bewundernswert sportlich.

Das Fazit zum ganzem Pazifik fällt durchweg sehr positiv aus. Besonders werden mir die extrem freundlichen Einwohner in Erinnerung bleiben. Zudem die fantastischen Weiten und Abgeschiedenheiten die diesen schönen Ozean mit seinen vielen Inseln aus macht. Ich kann nur Empfehlen sich viel Zeit für einen Besuch zu nehmen, um etwas tiefer in die Kulturen einzutauchen.

DANKE PAZIFIK! Ich werde dich vermissen!

Indonesien

Bis zum nächstem Landgang waren es stolze 1.123 NM (2.080 KM, aber das wisst ihr ja jetzt selber, gell ??!!??). Das Wetter war zwar optimal, aber weil wir direkt am Anfang des Törns zu viel riskierten, fehlte uns der passende Spinnacker. Autsch ! ... und wieder mit gesenktem Kopf zum Segelmacher...

Nicht so schlimm, ich hatte ja Dagmar an Bord und so haben wir die langen 9 Tage locker und fidel abgerissen. Unvergesslich, dass wir solange gekniffelt haben, bis sich die Würfel rund gespielt haben. Ja, es tut richtig gut so eine tolle Crew zu haben. Mittlerweile ist sie schon 9 Monate auf der Moyo und es harmoniert einfach super. Da mein Abflug nun kurz bevor steht, wird auch diese Zeit ein Ende haben, aber ich hoffe, dass sich unsere Wege immer wieder mal kreuzen werden.

Auf Timor Island angekommen fiel sofort auf, dass die Indonesier sehr klein sind. Überall stößt man sich die Rübe und die Bustaxis sind so winzig, dass man denkt sich eine Karussellfahrt im Feuerwehrauto gegönnt zu haben.

Wie man schon oft über Länder wie Thailand gehört hat, sind auch die Indonesier extrem freundlich und interessiert. Kinder sprechen dich an und wollen deine lange und ungewöhnlich schmale Nase berühren. Von den Frauen wiederum bekommt man(n) verlockende Blicke zugeworfen und auch das Essen schmeckt mir gut. ;o)

Auf dem Weg zu den sagenhaften Komodowaranen war über Nacht plötzlich Weltuntergansstimmung !

Schon einen Tag bevor wir ankamen regnete es Asche. Einer der vielen aktiven Vulkan Indonesiens ist ausgebrochen und hat meine geliebte Moyo in ein Geisterschiff verwandelt. Die Insel sah nicht besser aus und die Sonne verschwand schon am Tage fast gänzlich. Als wir in der erbarmungslosen Hitze dann noch die ersten Drachen sahen, fühlte ich mich in einer Zeit versetzt, als noch Dinosaurier die Erde beherrschten.

Wir mussten einen Ranger mit nehmen, da die Warane unberechenbar sind und selbst vor den hiesigen Büffeln nicht zurück schrecken. Wie Kampfmaschinen, sind sie mit gefährlichen Waffen bestückt und können trotzdem in undurchdringlichem Gelände eine Geschwindigkeit von 18 km/h (9,7192224622 KN ;o) ) erreichen.

Ihr Biss wirkt so toxisch, dass es selbst ausgewachsene Büffel nicht mehr lange auf den Beinen hält, bevor sie an Blutvergiftung krepieren. Das ist dann der Moment, wenn man von der “Draggon-Party” spricht, denn bis dahin haben sich etliche Urechsen versammelt um das Mal beginnen zu lassen. Zum Schluss verschwindet sogar der komplette Büffelkopf, indem der gewaltigen Schädel mit Hilfe eines Baumstammes in den Schlund gehämmert wird !!!

Gruselig, aber gewiss ein weiteres Highlight auf meiner Reise.

Nach ein paar weiteren herrlichen Tagen auf See erreichten wir die Insel Lombok bei Bali.

Hier soll mein Boot den deutschen Sommer verweilen, denn von Juni bis September will ich ja in Europa sein. Wie immer sind die letzten Tage auf einem Schiff mit sehr viel Arbeit verbunden. So gaben wir richtig Gas, um noch ein paar Tage für eine Mords Bergbesteigung zu haben.

Mit 3.750 Metern war dieser Berg natürlich der Höchste und wir benötigten einen Guide und einige Träger, die unseren Proviant, unsere Schlafsäcke und unsere Zelte trugen. Nach 3 Tagen erreichten wir total erschöpft das zweite Base Kamp. Es blieb nicht viel Zeit zum Ruhen, denn um zwei Uhr morgens krakselten wir in Eiseskälte die letzten Kilometer über das verfluchte Vulkangeröll zum Gipfel. Wie im Delirium stapften wir weiter, obwohl uns das Geröll immer wieder zurück warf. Auch oben angekommen, hatte ich kein Empfinden mehr für die Schönheit der Gegend, denn ich war wirklich am Ende und zudem musste der Rückweg noch zeitig angetreten werden. Was für eine Anstrengung, die man wohl nur bewältigen kann, wenn man einen starken Willen besitzt.

Mittlerweile bin ich froh, dass ich nicht aufgegeben habe. Mit bald 43 Jahren werde ich physisch wohl nicht mehr in der Lage sein solch ein Erlebnis in Zukunft zu wiederholen. Umso wichtiger ist es mir jetzt noch alles mitzunehmen was mir das Leben bieten kann.

Und es bietet noch so viel ...

Bis bald

Euer

Harald